Muay Thai Boxen

Boxer in new Lumpinee Boxing Stadium

Muay Thai oder Thai Boxen ist nach wie vor der beliebteste Zuschauersport in Thailand. Er wird ausschließlich von Profis betrieben und hat zur Entwicklung eines nicht unbedeutenden Geschäftsbereichs geführt. Zudem bietet Muay Thai den Thailändern vielfältige Möglichkeiten, ihrer Wettleidenschaft zu frönen. Nicht zuletzt aber ist Muay Thai ein Bestandteil der thailändischen Tradition, der sich – mit einigen Veränderungen – bis in die heutige Zeit erhalten hat.
Wenn Sie zum ersten Mal einen Kampf in Muay Thai sehen, werden Sie überzeugt sein, es handele sich um eine Sportart, bei der jedes Mittel erlaubt sei, um dem Gegner beizukommen. Tatsächlich ist im Vergleich zum vertrauten internationalen Boxen vieles erlaubt. Nicht nur die Fäuste dienen als Angriffs- und Verteidigungswaffe, sondern gleichermaßen die Füße, Knie und Ellenbogen.

Trotz dieser wesentlichen Unterschiede behaupten „Traditionalisten“, das Muay Thai habe bereits zu viel vom internationalen Boxen übernommen und sei zu sehr „entschärft“ worden. Dabei beziehen sie sich auf einige Regelungen, die in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts eingeführt und dem internationalen Box-Reglement entlehnt wurden und die bis zum heutigen Tag gelten.

Die Kampfzeit besteht seither aus fünf Runden zu je drei Minuten und zweiminütigen Pausen; sicherlich eine „Entschärfung“ angesichts der bis dahin geltenden Regel, der Kampf habe ohne Unterbrechung bis zum K.O. eines Kämpfers zu dauern, Ringabmessungen wurden vorgeschrieben und Gewichtsklassen eingeführt, wobei allerdings die schweren Gewichtsklassen nur wenig besetzt sind, da die Mehrzahl der Muay Thai -Boxer Fliegen- und Bantamgewichte sind. Das Tragen von Sechs-Unzen-Boxhandschuhen wurde verbindlich, was einer Einschränkung von Angriffs- und Abwehrmaßnahmen gleichkam, die vormals mit den lediglich lederumwickelten Fäusten (und Händen) möglich waren.

Jedem Muay Thai -Kampf geht ein Ritual voraus, eine von Musik begleitete, balettähnlichen Abfolge von Gebeten, Gesten und Kampfpantomimen. Zunächst kniet der Boxer im Ring nieder, bedeckt sein Gesicht mit den Boxhandschuhen und beugt sich mehrere Male zum Ringboden nieder. Nach diesem Teil des Rituals, der eine Huldigung an den Lehrer oder Trainer bedeutet (wai kruh), beginnt der Boxtanz oder „ram muay“. Dabei handelt es sich nicht um eine Art „Aufwärmen“ für den bevorstehenden Kampf, sondern vielmehr um das Bemühen des Kämpfers, die bösen Geister aus dem Ringgeviert zu verbannen und die Kampfstätte mit der eigenen Aura zu füllen.

Der Boxtanz wird in den verschiedensten Variationen ausgeführt, aus denen sich für den Fachmann des Muay Thai , Herkunft des Boxers und Handschrift des Trainers erkennen lassen. So mag der Kämpfer im Ring herumgehen, seine Hand an den Ringseilen entlanggleiten lassen, in den vier Ecken jeweils verharren und durch Aufstampfen mit den Füßen seiner Anwesenheit im Ring Nachdruck verleihen. Oder er kann auf sein rechtes Knie niedergehen, mit den Armen kreisende Bewegungen ausführen und den gleichen Bewegungsablauf mit Blick zu den übrigen Himmelsrichtungen wiederholen. Oder aber der Boxer bekämpft in jeder Ringecke in verlangsamter Form einen unsichtbaren Feind.

Oftmals tragen die Kämpfer um den Bizeps ein Band oder Amulett, dem magische Kräfte beigemessen werden und das die Beschwörungen des Boxtanzes unterstützt. Während des gesamten Vorkampf-Rituals tragen die Kämpfer den „mongkon“, eine um den Kopf gelegte fingerdicke Kordel. Diese „Krone“ ist Eigentum des Lehrers oder Trainers und unterstreicht die besondere Bedeutung, die im Muay Thai dem Verhältnis zwischen Kämpfer und Trainer zukommt.

Bevor ein junger Mann zum Muay Thai -Boxer wird, muß er von einem Trainer oder Lehrer angenommen worden sein und Fähigkeit zu Disziplin sowie körperliche Fitness vorweisen. Die Aufnahme in die Familie der Muay Thai -Boxer findet im Rahmen einer buddhistischen Zeremonie statt, in der die Novizen ihren Lehrern unbedingten Gehorsam geloben und sich verpflichten, die Lehren und Traditionen in Ehren zu halten. Der Lehrer oder Trainer wird zur Vaterfigur für den Kämpfer.

Ein jeder Muay Thai -Boxer gehört einem Camp oder „Stall“ an, in dem er unter Aufsicht des Lehrers trainiert und lebt. Unter den Tausenden von Box-Camps gibt es viele, die aus Hinterhöfen mit einfachstem Trainingsgerät bestehen, und nur wenige, die den landläufigen Vorstellungen eines Trainingszentrums entsprechen. Im Muay Thai gibt es keinen nationalen Boxverband. In und außerhalb Bangkoks werden Kämpfe von verschiedenen Verbänden organisiert, die jeweils ihre eigenen Boxarenen unterhalten.

Die beiden bekanntesten Boxringe und gleichzeitig die Hochburgen des Muay Thai sind im Lumpini-Stadion und Rajadamnern-Stadion in Bangkok. Ziel eines Muay Thai -Boxers ist, in den Ranglisten eines der beiden Stadien geführt zu werden und zum Champion seiner Gewichtsklasse aufzusteigen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, daß ein Boxer in den beiden Stadien kämpft, dann aber meistens unter verschiedenen Namen und in unterschiedlichen Gewichtsklassen.

Alle Boxer sind Profis, und sei die „Börse“ auch noch so gering. Es wäre geradezu masochistisch, „umsonst“ in den Ring zu klettern und zu wissen, daß man mit einiger Sicherheit Blessuren und Verletzungen davontragen wird. Dieses Risiko, zwar durch die „Entschärfungen“ etwas gemindert ist nach wie vor als erheblich einzuschätzen, wenn man die verschiedenen Kampftechniken betrachtet.

Das „Markenzeichen“ des Muay Thai ist der aus der Distanz angesetzte Fußkick, am wirkungsvollsten gegen den Kopf, in den Nacken und die Nieren sowie an die Beine des Gegners.

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