Koh Mak Reiseführer

Im Schatten der mächtigen Palme läßt es sich gut aushalten. Der weiße Puderzucker-Sand hat sich den Körperformen angepaßt, ein behagliches Lager der Natur geformt.

Sanftes Meeresrauschen  läßt die Seele in leichtem Schlummer wiegen, den nicht einmal das „Plopp“ einer herabfallenden Kokosnuß stören kann.

Ein warmer Luftzug trocknet die letzten Wassertropfen vom Erfrischungsbad in der Brandung. Nicht weit entfernt warten frischgepflückte MangosAnanas und Bananen auf den kleinen Hunger, während fangfrischer Fisch schon über dem Feuer schmort. Szenen eines Ausstiegs. Wer hat sie noch nicht angedacht, wenn er sich wieder einmal von der Leistungsgesellschaft geplagt fühlte?

Zwänge ablegen, Freiheiten genießen, einfach in den Tag hineinleben, sich dem Rhythmus der Natur anpassen und sich am sorgenfreien Dasein erfreuen – das ist für viele eine Idealvorstellung, die nicht leicht zu erreichen ist. Vom bundesdeutschen Alltag verabschiedet und dieser Illusion zumindest angenähert hat sich Egon Grünert. Er lebt, wo andere Urlaub machen:

Denn gerade das exotische Thailand lockt mit seinen faszinierenden Landschaften, freund-lichen Einheimischen, leckeren Speisen, günstigen Preisen sowie einer relativ gut ausgebauten Infrastruktur zum Ausstieg. Auf Ko Mak – in der noch weitgehend unberührten Inselwelt vor der Küste Kambodschas – hat sich der 55jährige Bielefelder eine neue Existenz aufgebaut. Die Verwirklichung seines Lebenstraums finanziert er vom Tourismus, für den er im „wilden Osten“ Thailands Pionierarbeit leistet.

Vier Mal pro Woche fährt die „Neptune“ nach Ko Mak. Mit dem Flair eines Seelenverkäufers schaukelt das zweistöckige Fährschiff am Hafenpier von Laem Ngop bei Trat„Es fehlen nur ein paar Pinselstriche“, wirbt Egon um Vertrauen, als er an Bord des Holzbootes steigt.

Während der dreistündigen Überfahrt zählt er auf, wie oft das Schiff schon in der Werft war, welche Unsummen er in sein „Sorgenkind“ investiert hat. Dann heben sich am Horizont die ersten Umrisse Ko Maks ab: Ein kleeblattförmiges Eiland mit mehreren seichten Buchten, das nur sieben Kilometer lang und fünf breit ist. Die 340 Bewohner der „Betelnuß-Insel“ leben in 16 Siedlungen von Gummi-Plantagen, Obst-Anbau und Kokosnüssen, die auf dem Festland zu Seife, Speiseöl und Raspel verarbeitet werden.

Weitgehend flach und von vulkanischem Ursprung ist das Archipel – auch wenn keiner weiß, wo der Vulkan einst gebrodelt hat, Rotbraune Lavaformationen vermitteln das Gefühl, auf einer geheimnisvollen Schatzinsel gelandet zu sein.

„Inseln haben mich schon immer begeistert. Aber als ich zum ersten Mal nach Ko Mak Kam, war es um mich geschehen, verklärt sich Egons Blick. In einem Palmenwäldchen am Strand hat der gewichtige Bauunternehmer mit seinem thailändischen Geschäftsfreund Somchai „und endlich einmal ohne nerviges Genehmigungsverfahren“ das Au-Kao-Resort („Resort der weißen Bucht“) aus dem Sand gestampft: 13 behagliche Bungalows aus Naturmaterialien – und ein etwas größerer für die angegliederte Tauchschule.

Abends zeugt das Rattern eines Stromgenerators von Zivilisation. Ein rustikalromantisches, mit zahlreichen Holzschnitzereien verziertes Rundrestaurant am Meer, auf dessen Speisekarte sich fangfrische Meeresspezialitäten genauso finden wie deftige Steak-Gerichte und Bratwurst mit Pommes Frites, macht das Robinson-Dasein erträglich. Doch spätestens zur bevorstehenden Hochsaison wird die Touristenwelle wieder über die große Nachbarinsel Ko Chang hinausschwappen und Gäste an den Strand Ko Maks spülen.

Denn der „Ko Chang National Marine Park“dessen 52 Inseln seit 1982 gesetzlich unter Naturschutz stehen, wird nun mit Nachdruck für den Tourismus erschlossen. Schon für 1995 erwartet Poramet Amttayakul, Direktor der staatlichen Fremdenverkehrsbehörde (TAT) in Trat, eine Steigerung der Besucherzahlen um 40 Prozent.

Er will seine Provinz, die bisher vorwiegend durch riesige Flüchtlings-Lager für Kambodschaner und Vietnamesen sowie blutige Übergriffe der Roten Khmer Schlagzeilen gemacht hat, „für Einheimische und Ausländer zur interessantesten Touristenattraktion Thailands machen“.

Auf dem Festland ist ein neuer Airport geplant, der den Zugang zur Inselwelt Ostthailands erleichtern soll. Als zusätzliche Einfallschneise für Pauschaltourismus wird bereits an der Sukhumvit-Road (Nationalstraße 3) gewerkelt. Sie soll zum vier- bis achtspurigen „Super-Highway“ ausgebaut werden, auf dem sich die fast 400 Kilometer lange Anfahrt von Bangkok bis spätestens 1996 auf rund drei Stunden verringern soll. Weil der alte Pier von Laem Ngop zu schmal und unbequem für Touristen ist, soll ein 1125 Meter langer Schiffsanleger in das Meer betoniert werden.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Wer bisher den Weg nach Ko Mak gefunden hat, schätzt außer einer sagenhaften Ruhe vor allem die völlig unzerstörte, fischreiche Unterwasserwelt. In Gegensatz zu anderen Tauchrevieren auf dieser Welt, sind die Korallenbänke hier noch nicht von Ankern in Mitleidenschaft gesogen, Plastikflaschen auf dem Meeresgrund eine Rarität. „LöwenfischePfeilhechteStechrochenDelphineMerline, kleine Haie gibt es hier.

Daß der jährlich wachsende Tauch-Tourismus die intakte Natur in Mitleidenschaft zieht, fürchtet Egon nicht. „Bisher habe ich noch nie erlebt, daß ein Gast etwas aus dem Meer geholt hat. Die benutzen ihre Messer höchstens, um herrenlose Netze und Reusen aufzuschneiden“. Als weitere Attrakionen bietet er eine Insel-Rundfahrt mit Trecker und Anhänger an. Die ist selbstverständlich kostenlos, führt zu einsamen Buchten, dem letzten Stück Dschungel und alten Fischern in Pfahlhäusern, die Touristen auch gern mal zu einem Glas Mekong-Whisky einladen.

Es ist nun schon neun Jahre her, daß Egon sein Baugeschäft in Bielefeld verkauft, Ehefrau, kleinkarierten Bürokraten und Deutschland den Rücken gekehrt hat. Kraft für den Befreiungsschlag tankte der gebürtige Chemnitzer, der in den 60er Jahren über Berlin in den Westen floh und als Autoschlosseer bei Null anfing, schon während seiner ersten Thailand-Reise„Ich war begeistert, daß hier alles so locker ist, sich zum Beispiel alle beim Vornamen nennen“.

Eine Kneipe, Entenfarm und Wasserfabrik zählten zu Egons erfolglosen Versuchen, auf dem Festland Fuß zu fassen. Nun hofft er auf Urlauber oder sogar neue Nachbarn, die bei 32 Grad im Palmenschatten und Kokosnuß-Weitwurf-Wettbewerben ebenfalls nicht mehr tangiert, was in übrigen Teilen der Welt ausgefochten wird. Staus, Steuererhöhungen und Schlechtwettermeldungen in seiner alten Heimat interessieren Egon nur noch am Rande.

„Aufregender ist schon dieses Boot, das sich hier letzte Woche herumgetrieben hat. Da saßen nämlich Piraten drin“, hat er von Einheimischen erfahren. Doch solange die nieht an seine Tür klopfen, könne er ruhig schlafen. „Zwölf Stunden am Tag sind Minimum!“, verrät der Aussteiger, der sich nichts schöneres vorstellen kann, als auf seiner Traum-Insel eines Tages auch zur allerletzten Ruhe gebettet zu werden.

Informationen

  • Anreise: Vom Bangkoker Eastern-Bus-Terminal (Ekamai) in der Sukhumvit-Road/Soi 42 fahren täglich 14 klimatisierte Linienbusse über Chantaburi nach Trat. Die rund 400 Kilometer lange Fahrt dauert rund fünf Stunden und kostet 132 Baht. Ein Taxi vom Don-Muang-Airport ist für maximal 1,500 Baht zu haben. Einfach und beliebt ist der Transfer vom Küstenort Pattaya mit dem Minibus (rund 350 Baht). Im Hafen Laem Ngop (16 Kilometer von Trat) startet – vom 1. November bis zum 30. Mai täglich, sonst nur jeden zweiten Tag – um15 Uhr die „Neptune“ oder ein Ersatzschiff nach Ko Mak. Das One Way-Ticket kostet 150 Baht, die Überfahrt dauert rund drei Stunden. Unterkunft: Das „Au-Kao-Resort“ bietet sieben geräumige Bungalows mit europäischen Badezimmern (650 Baht) und sechs kleinere Bungalows (250 bis 350 Baht) an. Sämtliche Insel-Transfers sind kostenlos. Eine Tauchschule bietet Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an.
  • Pauschalreisen: Auf die Inselwelt des Ostens und besonders Touren nach Ko Mak – hat sich das deutschsprachige Reisebüro „Henry-Tours“ (157/128 Moo. 5, Naklua Road, Pattaya City 20250, Tlefon 038/411597 oder Fax 038/427908) spezialisiert. Der erste und einzige Anbieter Ko Maks in Deutschland ist der Asienspezialist „reisefieber“ (63739 Aschaffenburg, Roßmarkt 24, 06021/306565).
  • Gesundheit: Malaria-Prophylaxe wird empfohlen, zumindest aber Mücken-Schutzlotion oder entsprechende Kleidung in den Abendstunden
  • Reisezeit: Ganzjährig, Hochsaison zwischen November und März. Von Juni bis Oktober muß mit Monsunschauern und hohen Wellen gerechnet werden.

Volker Klinkmüller

Read more:
Bangkok Reiseführer

Für den einen ist Bangkok eine der faszinierendsten Städte der Welt, für den anderen schlicht eine Zumutung. Ein Puzzle aus Read more

Isaan Reiseführer

Isaan (auch bekannt als Isan, Isarn und sogar Esarn), ist in die nordöstliche Region Thailands. Es gibt keine Küste, daher Read more

Alternative Buddhismus

Immer mehr Deutsche  sind fasziniert von der Reinkarnation, der Wiedergeburt. Buddhas Lehre übt große Anziehungskraft aus. Mehr als 300 000 Deutsche befassen sich Read more

Nakhon Si Thammarat Reiseführer

Der Vergleich hinkt: Thailand, das "Mallorca" Südostasiens. Und dennoch, wer dem Rummel von Pattaya, Ko Samui oder Phuket enfliehen will, muß wie auf der Read more

Phuket Reiseführer

Phuket ist Thailands größte Insel (in etwa so groß wie Singapur) rund 890 km südlich von Bangkok, an der Küste Read more

Koh Samui Reiseführer

An der Ostküste Thailands im Golf von Thailand liegt Koh Samui, das als beliebtestes Touristenziel Thailands bekannt geworden ist und Read more

Seiten: 1 2